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Was ist ein bedingungsloses Grundeinkommen?

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Beispiele aus der Zukunft

Wie könnte es in Zukunft mit einem Grundeinkommen aussehen?
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Maria, eine junge Frau – noch ohne Ausbildung und Beruf – wird schwanger, ihr Freund ist noch im Studium. Sie freut sich, auch wenn das Kind ihre Zukunftspläne durcheinander bringt und sie nicht sicher ist, ob sie mit dem Vater zusammenleben wird. Um ihren Lebensunterhalt braucht sie sich nicht zu sorgen., Das Grundeinkommen für sie und für das Kind ist eine finanzielle Basis, welche sie unabhängig macht von ihrem Freund oder ihren Eltern, von Ämtern oder einem schlecht bezahlten Job. Sollte sich die Beziehung als nicht tragfähig erweisen, wird es keine Streitigkeiten um Unterhaltszahlungen geben wie das früher mal war. Eine Ausbildung wird sie später noch machen können. Sie könnte sich auch vorstellen, eine größere Wohnung zu nehmen und sich mit einer alten Nachbarin zusammen zu tun, die nicht mehr so gut alleine zurecht kommt. Maria lässt das gelassen auf sich zukommen.

Robert hat 35 Jahre als Maurer gearbeitet. Jetzt ist er 55 und sein Rücken kann die schwere Arbeit nicht mehr leisten. So beschließt er, mit der Arbeit aufzuhören. Da es kein festgelegtes Renteneintrittsalter mehr gibt, kann er das einfach frei nach seinem eigenen Gesundheits- und Kräfteempfinden entscheiden. Nur mit dem Grundeinkommen, wird er sich zwar etwas bescheiden müssen, aber niemals Sorge um den Lebensunterhalt haben. Da er dann ja viel Zeit hat, überlegt er, ob er nicht vielleicht seine Mutter aus dem Altenheim zu sich holt und selber für sie sorgt... Sein älterer Kollege, der damals mit 60 die Arbeit nicht mehr schaffte, musste noch komplizierte Anträge auf Erwerbsunfähigkeitsrente stellen und zu drei verschiedenen Gutachtern gehen. Seine Rente ist durch das frühere Aufhören so niedrig geworden, dass er auch noch eine Aufstockung beim Sozialamt beantragen musste. Diese Erniedrigungen verbitterten ihn – er hätte ja gerne noch gearbeitet, er hatte seinen Job schließlich immer gerne gemacht.

Elvira mit ihren drei Kindern lebt seit einem Jahr getrennt von ihrem Mann. Zweimal wöchentlich – wenn Elvira ihre Malkurse gibt - sind die Kinder bei der älteren Nachbarin Susanne. Da hören die Kinder dann mit großen Ohren zu, wenn Susanne von früher erzählt. „Mama, es muss ja Manches früher schrecklich gewesen sein. Stellt Dir vor, Susanne musste jeden Tag putzen gehen, als sie sich von ihrem Mann trennte, weil er ihr kein Geld geben wollte. Und wenn sie endlich nachhause kam, war sie so müde, dass die keine Lust mehr hatte, mir den Kindern zu spielen und zu erzählen. - Wie schön, Mama, dass du immer da bist und Zeit für uns hast.“

Zum dritten Mal in diesen wenigen Jahren seit Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens wurde die Gesundheitspauschale gesenkt. Seit die Menschen keine Existenzsorgen mehr haben und deshalb die Art und den Umfang ihrer Arbeit frei nach ihren Kräften und Fähigkeiten wählen können, sind sie deutlich seltener krank. Therapien wegen Depressionen sind merklich zurückgegangen, seit die Menschen wieder mehr Kontakt zueinander haben und das Arbeitsklima sich verbessert hat: Mobbing ist seit 3 Jahren kein Thema mehr in den Betrieben und die angebotenen Arbeitsplätze werden immer attraktiver.

Martin wird Vater. Er freut sich auf das Kind. Sein Studium kann er getrost zu Ende führen, denn Sabine und das Kind sind finanziell ja unabhängig von ihm. Alte Leute erzählen manchmal noch, dass sie in solcher Situation das Studium abbrechen oder als Bittsteller zum Sozialamt gehen mussten. Wie gut, dass diese Zeiten vorbei sind.

Maike hat Altenpflege gelernt. Doch schon in der Ausbildung wurde ihr klar, dass sie in diesem Beruf nie wird arbeiten können. Zu deutlichfühlte sie die Bedürfnisse der alten Menschen nach Zuwendung, zuhören und erzählen, gemeinsamen Stunden und Tätigkeiten – und die knapp bemessene Zeit erlaubte ihr nur die äusserliche Versorgung. Stundenlang bei einem Sterbenden zu verweilen und sein Weggehen innerlich zu begleiten war eigentlich unmöglich. So suchte sie sich einen Job an der Kasse im Supermarkt. Als dann vor einigen Jahren das bedingungslose Grundeinkommen für jeden Bürger eingeführt wurde, änderte sich die Arbeitssituation in den Altenheimen grundlegend. Da jeder Angestellte ja sein Grundeinkommen hatte, konnte man doppelt soviel Personal einstellen. Da verliess Maike ihre Supermarktkasse und ging ins Altenheim zurück. Sie arbeitet nur halbtags, bleibt aber oft länger und kann nun ihre Arbeit so gestalten, wie sie er immer schon wollte. Die alten Menschen sind seither viel zufriedener, ausgefüllter, lebendiger und wacher, weil sie viel mehr Zuwendung, Ansprache, Anregung und Erlebnisse haben. Und sie wissen, dass sie einmal in den Sterbestunden ihre geliebte Pflegerin an der Seite haben werden.

Viele Altenheime sind zu groß geworden, weil durch das Grundeinkommen mehr alte Menschen zuhause von Angehörigen, Freunden oder Bekannten versorgt und gepflegt werden. So werden nun in manchen Altenheimen ganze Gebäudeteile umgebaut in große Familienwohnungen mit angrenzender kleiner Einliegerwohnung. Denn der Bedarf an Wohnraum, in dem auch ein alter oder behinderter Mensch etwas separiert und doch integriert mitwohnen kann, steigt von Jahr zu Jahr. Insgesamt ist am Wohnungsmarkt zu beobachten, dass die Nachfrage sich verändert seit Einführung des Grundeinkommens: die Menschen verbrauchen nicht mehr all ihre Kräfte für eine ungeliebte aber überlebensnotwendige Erwerbsarbeit. Sie haben wieder mehr Zeit, sich um einander zu kümmern und deshalb auch vermehrt den Wunsch wohnungsmässig näher zusammen zurücken in Nachbarschaft oder gar Wohngemeinschaft.

Peter hat mit der Einführung des Grundeinkommens seinen Job verloren wie viele Andere auch: er arbeitete bei der Arge. Es hat sein Denken arg strapaziert, diese Grundeinkommensidee zu begreifen, die ihn ja nach altem Denken selber arbeitslos machen sollte. Aber jetzt ist er doch sehr erleichtert: er macht das Büro in einem kleinen Handwerksbetrieb, denn nur immer Ferien haben wollte er absolut nicht. Hier in dem Betrieb arbeiten alle, weil sie gerne arbeiten und Freude haben, für Andere etwas zu tun. Das ist ein tolles Arbeitsklima! Kein Vergleich mit seinem alten Job. Es war schrecklich, diese langzeitarbeitslosen Menschen zu verwalten, ihnen mit Kürzungen zu drohen, wenn sie nicht diesen oder jenen 1-Euro-Job annehmen, obwohl man gespürt hat: der ist psychisch so angegriffen, der braucht eigentlich Menschliches und keine Beschäftigungsmassnahme. Eigentlich war es schon sehr unwürdig, wie arbeitslose Menschen damals behandelt wurden. Sicher gab es Faule, die gibt es immer. Aber fast alle hätten gerne wieder gearbeitet, wenn es denn was gegeben hätte.

Gerade ist wieder eines von diesen hässlichen Behördenhochhäusern abgerissen worden, weil es seit der Einführung des Grundeinkommens und der Konsumsteuer leerstand und niemand einen Verwendungszweck dafür fand. Da in der Nachbarschaft ganz besonders viele kinderreiche Familien wohnen, hat die Stadt beschlossen, auf dem Gelände dieses ehemaligen Arbeitsamtes einen Abenteuerspielplatz einzurichten. Er wird ganztags von mehreren Eltern betreut, die dort ein reichhaltiges Tätigkeitsangebot für die Kinder aufbauen wollen: töpfern, schreinern, schmieden, backen, malen, schnitzen, bildhauern, Lagerfeuer etc...Da ja durch die Automatisierung nicht mehr soviele Menschen für die Produktion gebraucht werden, der Lebensunterhalt durch das Grundeinkommen abgedeckt ist, arbeiten viele Menschen nur noch halbtags in ihrem Beruf und nutzen die restliche Zeit, um mehr mit Menschen zu arbeiten z.B. auf dem neuen Abenteuerspielplatz.

Manfred hat vor 2 Jahren in seinem Wohnviertel einen kleinen Laden aufgemacht und sich damit einen alten Lebenstraum verwirklicht: ein kleiner Laden, der sein Sortiment ganz nach konkreten Bedürfnissen der Kunden zusammenstellt statt irgendein Allerweltsangebot zu haben, von dem man nie weiß, ob man es los wird. Im Laufe der Zeit zeigte sich dann, was viele brauchen und was er demzufolge auch günstiger in größeren Mengen einkaufen kann. Sicher, Manches ist ein wenig teurer als im Supermarkt, aber dafür geht man auch nur zu Manfred nebenan und fährt nicht mit dem Auto nach Sonstwo. Früher hatte Manfred im Supermarkt gearbeitet, ungern, doch von einem kleinen Traumladen hätte er seine Familie nicht sicher versorgen können, zumal seine Frau gerne ganz für die 4 Kinder da sein wollte. Das bedingungslose Grundeinkommen war Manfreds Chance: damit ist die Lebensgrundlage der Familie gesichert und nicht allein von seinen Ladenumsätzen abhängig. Die Menschen aus der Gegend kommen gern zu ihm: man kennt sich, man trifft sich, man hält mal einen Klönschnack, man lernt so auch die neu Zugezogenen leichter und schneller kennen. Manfred ist glücklich: sein Laden ist Begegnungsknotenpunkt des Viertels geworden, Je älter seine Kinder werden, desto mehr helfen sie und die Frau im Geschäft mit.

Saida arbeitet auf der Inneren Station 2 des Städtischen Krankenhauses. Sie sorgt dafür, dass hier immer alles blitzeblank und schön ist. Und - da sie immer auf dieser Station arbeitet seit 2 Jahren, ist sie ein wenig die Seele der Station geworden: sie kennt jeden Arzt, jede Schwester, jeden Patienten und hat ein gutes Gespür dafür, wer gerade mal ein „Schwätzchen“ nötig hat. Saida ist glücklich: sie hat Arbeit und viele Kontakte und sie wird geliebt. Das hatte sie sich so sehr gewünscht, als sie damals als Flüchtling hierher kam. Wie schwierig war das: kein Geld, keine Arbeit, nur Ämter, keine Begegnungen mit Einheimischen, um mit der Sprache,der Kultur und den Gepflogenheiten dieses Landes sich vertraut zu machen. Seit alle Bürger dieses Landes ein bedingungsloses Grundeinkommen haben, hat sich die Arbeitssituation sehr verändert: Arbeitslose im alten Sinne gibt es keine mehr. Die Menschen arbeiten entweder aus Überzeugung sehr viel oder sie arbeiten weniger, weil sie noch viel unbezahlte Arbeit machen wollen, an der sie einfach Freude und Interesse haben. Saida selber bekommt noch kein Grundeinkommen, aber sie darf arbeiten. Ja, sie konnte sich sogar eine Arbeit aussuchen. Und da wählte sie eben dieses Krankenhaus, wo sie immer auf der gleichen Station sein und menschlich sich beheimaten und verbinden kann.

Hans ist 58, lebt allein in seiner kleinen Wohnung mit Katze und leider etwas zu vielen Flaschen. Ja, das Leben hat es von Anfang an nicht gut mit ihm gemeint. Dann kamen noch ein paar Pechsträhnen beruflich, die Frau ist früh verstorben, ein Eigenbrötler war er schon immer gewesen. So sucht er manchmal Trost und Vergessen im Alkohol. Das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gefällt ihm sehr gut: nicht etwa, weil er nun mehr zu trinken hätte, nein. Es tut ihm wohl, nicht mehr das Gefühl zu haben, dass er von den Almosen Anderer leben muss und als Schmarotzer angesehen wird. Durch die Umstellung auf die Konsumsteuer trägt auch er, Hans, mit jedem Brot, mit jedem Katzenfutter und jeder Flasche sein Teil bei zu dem großen sozialen Topf, aus dem auch er sein Grundeinkommen bezieht. Das hat Hans' Würde wieder hergestellt. Und dass viele Menschen jetzt mehr Zeit haben, sich mal zu ihm auf die Bank in die Sonne zu setzen auf einen Schnack, das tut Hans auch sehr wohl. So merken die Menschen, dass er nicht einfach nur ein „alter hoffnungsloser Säufer“ ist, sondern ein Mensch, der mit dem Leben eben nicht so erfolgreich zurecht kam wie viele Andere. Manchmal beglücken ihn diese kleinen Begegnungen so, dass er sich die abendliche Flasche gut verkneifen kann.

Willi kann es manchmal kaum glauben, wie sehr er sich und seine Überzeugung und seine Arbeit verändert hat. Als damals im Volk die ersten Debatten anfingen über ein bedingungsloses Grundeinkommen, war er als Parteipolitiker ein absoluter Gegner: soziale Hängematte, Faulheit, Wirtschaftsflaute, Undurchführbar, Unfinanzierbar, der Untergang des Abendlandes – er fuhr scharfe Geschütze dagegen auf. Er wehrte sich bis zuletzt und war erschüttert als das Volk bei der Abstimmung mit überragender Mehrheit das Grundeinkommen und die Umstrukturierung zur Konsumsteuer durchsetzte. Willi ist in der Politik geblieben, vielleicht mehr aus Trotz, um weiterhin Widerstand zu leisten oder doch wenigstens mitzuerleben, wie diese Idee in der Realität scheitern wird. Er wartete darauf vergeblich: alle Katastrophenszenarien, die er und viele seiner Kollegen prophezeit hatten, ließen beharrlich auf sich warten. Und irgendwann stelllte Willi zu seinem Erstaunen fest, dass er begann sich über neue positive Entwicklungen durch das Grundeinkommen zu freuen. Heute ist er stolz, dass aus seinem Land ein solch zukunftsfähiger Kulturimpuls ausstrahlt: viele Länder haben schon nachgezogen und die meisten sind dabei, die Grundeinkommensidee für ihre Verhältnisse auszuarbeiten und einzurichten. Seine Arbeit als Politiker hat sich sehr verändert: die Menschen sind wacher, interessierter und engagierter in politischen und sozialen Fragen. Die Politiker müssen sich nicht mehr irgendwelche wahltaktisch guten Lösungen ausdenken und sie dem Volk schmackhaft machen, nein, das Volk gibt den Ton an und bestimmt die Richtung – die Politik ist nur das Management für diese Impulse.

Kurt arbeitet bei der Müllabfuhr. Kurt ist nämlich ein ausgewachsener Autofreak. Er liebt Oldtimer und schnelle Sportwagen. Da kommt er natürlich mit seinem Grundeinkommen nicht weit. Aber das Grundeinkommen hatte ja zur Folge, dass unattraktive Arbeiten jetzt sehr hoch bezahlt werden, z.B. die Müllabfuhr. So fährt Kurt jeden Morgen guter Laune mit seiner Truppe durch die Stadt und freut sich dabei nicht nur auf seinen Porsche, sondern auch an der Sauberkeit der Stadt.

Evelyn, seit über 16 Jahren freiberufliche Künstlerin, fand wegen Überqualifizierung (10 Semester Studium, zwei Weiterbildungen) und hohen Alters (49) keine Fest-Anstellung in einem anderen Beruf, wie z.B. Kellnern...sie landete wie 90 % ihrer KollegInnen in der Hartz 4 Falle und wurde aufs heftigste geknebelt, mit falschen Behauptungen und Unterstellungen malträtiert, mußte Bewerbungen schreiben,die nicht anerkannt wurden, sinnlose Weiterbildungen besuchen, bis endlich das Grundeinkommen die Berechtigung zur Berufung brachte. Nun muß sie sich nicht mehr anhören: "man kann nicht nur Bilder malen, man muß auch arbeiten"....Die Werte, die sie geschaffen hat im Laufe der Jahre, sind noch nicht in klingende Münze umgesetzt, aber: sie muß auch nicht mehr im Supermarkt stehen oder zwischen Aquarellblock oder einer Woche essen entscheiden..... sie darf ihrer Berufung und ihren reichen Geschenken in Form von Talenten nachgehen.....